KONSTITUTIONSLEHRE

Das Tibetische Medizinsystem basiert auf den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

Die Elemente manifestieren sich im Menschen in 3 dynamischen Prinzipien (nyes pa sum),

die für alle körperlichen und geistigen Eigenschaften und Funktionen verantwortlich sind.

Die drei Körperenergien rLung (Wind), Tripa (Feuer) und Bad kan (Wasser/Erde).

rLung (Wind) ist für die Bewegung des Körpers und steht in Zusammenhang mit dem Nervensystem, den Sinneswahrnehmungen und dem Immunsystem, gilt als Verbindung von Körper und Geist

und ist Träger des Bewusstseins. Tripa (Galle) ist verantwortlich für die Hitze im Körper (Körpertemperatur, Verdauung) und das Blutsystem. Bad kan (Schleim) ist die kalte Energie und für den Flüssigkeitshaushalt und das Lymphsystem zuständig.

Ihren Ursprung haben die Nyes pa sum in den drei Geistesgiften:

rLung in der Begierde, Tripa im Hass und Bad kan in der Unwissenheit und Ignoranz.

Die Mischung der drei Energien machen somit neben dem Körpertypus auch den Charakter aus.

Die Nyes pa sum haben somit sowohl körperliche als auch psychische Aspekte und sind vitale Energien, welche alle biologischen, psychischen und emotionalen Funktionen von Körper, Energie und Geist steuern. In der ganzheitlich ausgerichteten Medizinlehre Tibets wird das Gleichgewicht dieser drei Körperenergien angestrebt. Ein Gleichgewicht bedeutet Gesundheit, ein Ungleichgewicht führt hingegen zu der Entstehung von Krankheiten und psychischen Leiden.

Die 3 dynamischen Prinzipien sind in jedem Lebewesen in einem eigenen, spezifischen Verhältnis verteilt, das jeweils seine Veranlagungen und Neigungen bestimmt. So ist jeder Mensch unterschiedlich anfällig auf verschiedene Störungen, Beschwerden und Krankheiten. Ein länger anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den 3 Prinzipien, das heisst eine Abweichung vom eigenen individuellen Typ, kann folglich zu körperlichen oder psychischen Störungen führen.

Der Grundsatz der Tibetischen Medizin besteht im Erkennen der individuellen Mischung der drei körperlichen Energien und im Erkennen des jeweiligen Ungleichgewichts einer oder mehrerer Körperenergien beziehungsweise der hiermit einhergehenden Organe.

Durch Kräuterrezepturen und andere Behandlungsmethoden wird versucht dieses Gleichgewicht der Prinzipien des individuellen Grundtypen wieder herzustellen. 

© 2017 Janka Schweizer