BEHANDLUNGSMETHODEN

Wurzel der Therapie

"Wenn jemand Heilung sucht, so frage ihn zuerst ob er in Zukunft bereit ist die Ursachen seiner Krankheit zu meiden."

Sokrates

Ganzheitliche Therapie macht nur dann Sinn, wenn jemand bereit ist für einen ganzheitlichen Lebensstil. Wie die traditionellen medizinischen Lehren Indiens und Chinas, betrachtet auch die tibetische Heilkunde Gesundheit als Zustand im Gleichgewicht. Verschiedene Faktoren – etwa Ernährung, Lebensweise, jahreszeitliche Umstände, innere Einstellung – können dieses natürliche Gleichgewicht stören, was zu unterschiedlichsten Krankheiten führen kann. So hält jeder Mensch seine Gesunderhaltung in den eigenen Händen. Durch die Berücksichtigung des persönlichen Konstitutionstypus und einer darauf abgestimmten Lebensweise, kann daher bereits sehr viel getan werden.

Durch die bewusste Beschäftigung mit den verschiedenen körperlichen, emotionalen und geistigen Zusammenhängen wird der Patient aus seiner passiven Rolle in eine aktive, eigenverantwortliche Position geführt und wird hierdurch zum selbstverantwortlichen Mitgestalter seiner Gesundheit, seiner Lebensführung und damit letztlich auch seiner gesamten Einstellung zum Leben.

1. Ernährung

 

Durch unausgeglichene, unangepasste Nahrung und unregelmässiges Essen können Krankheiten hervorgerufen werden.

Alles was ich zu mir nehme wirkt auf meinen Körper. Es bestimmt wie ich mich fühle, wie viel Kraft ich habe, wie viel Hitze ich in mir habe, etc. Es baut meinen Körper wie er ist, das bedeutet, dass daraus auch alle Störungen und Missstände entstanden sind. Es bedingt Krankheit und Gesundheit.

Der erste Schritt in der Therapie ist daher eine Überprüfung und gegebenenfalls Änderung der Essgewohnheiten.

 

Ziel ist nicht nur, uns mit gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen, sondern auch die Verdauung günstig zu beeinflussen. Die Verdauung hat die Aufgabe aus der Nahrung die Essenzen zu ziehen, die zur Bildung und Erhaltung des Körpers notwendig sind. Viele chronische Krankheiten haben ihren Ursprung in einer latenten Verdauungsstörung bzw. einer unzureichenden Aufspaltung der Nährstoffe.

Die tibetische Ernährungslehre unterscheidet je nach Krankheitsbild und Konstitution des Patienten. So kann ein Ungleichgewicht der Körperenergien beeinflusst und harmonisiert werden.

- Bei Wind-Krankheiten ist regelmässiges und nährstoffreiches Essen wichtig.

  Es sollte schwere, wärmende, gekochte Nahrung eingenommen werden.

  Zu vermeiden ist Schwarztee, Kaffee und zu viel Bitteres.

- Bei Galle-Krankheiten sollte man leichte, fettarme Kost mit bitterem und kühlem Charakter

  zu sich nehmen. Alkohol, Kaffee, saures, scharfes und öliges Essen ist zu vermeiden.

- Bei Schleim-Krankheiten ist vitaminreiches, verdauungsförderndes Essen günstig.

  Heisses Wasser trinken, scharfe, heisse und leicht verdauliche Nahrung ist gut.

  Nicht zu viel auf einmal essen, keine fettigen, öligen, schweren oder süssen Speisen.

2. Verhalten

 

Viele Menschen kaufen lieber eine teure Therapie, statt selbst etwas an ihrem Leben zu ändern.

Ein ganzheitlicher medizinischer Ansatz wird aber die gesamte Lebensführung als grundlegenden Faktor der Gesundung und der Heilwerdung miteinbeziehen. Neben den Ernährungsgewohnheiten sind hier vor allem die Verhaltensweisen einschliesslich der Denkmuster, der inneren Einstellungen und der emotionalen Muster zu nennen.

- Bei Wind-Krankheiten ist regelmässig und ausreichend Essen und Schlafen wichtig.

  Ruhe und Entspannung, Wärme und ein freundliches Umfeld helfen ebenfalls.

  Zu vermeiden ist zu viel Stress, Sorgen, Erschöpfung, körperliche Betätigung mit leerem Magen,

  übermässige mentale oder verbale Betätigung, Fasten.

- Bei Galle-Krankheiten ist der Aufenthalt an kühlen Orten empfohlen. Wichtige Punkte sind

  ausserdem Ruhepausen und das Üben von Gelassenheit, Toleranz und Mitgefühl.

  Zu viel Hitze oder Bewegung in heissen Temperaturen ist zu verhindern. Ebenfalls zu grosse

  Anstrengung, zu viel körperliche Arbeit oder exzessiver Sport. Wut und Abneigung verstärkt die Galle.

- Bei Schleim-Krankheiten ist viel Bewegung und Wärme sehr wichtig.

  Alles was Körper und Geist aktiviert und flexibel macht ist gut.

  Vermeiden sollte man alles was kalt ist, z.B. Aufenthalt in feuchter, kalter Umgebung.

3. Arzneimittel

 

Die Kräuterkunde und Arzneimittelherstellung ist eine sehr gut ausgebaute, traditionelle und wirksame Heilkunst innerhalb der tibetischen Medizin.  Die Grundlage in der Pharmakologie bildet das Wissen um die fünf Elemente. Über Geschmack und Potenz der Pflanzen, werden ihnen die vorherrschenden Elemente zugeteilt. Die ganze Materie und jedes Lebewesen bestehen aus den 5 Elementen. Deshalb kann durch natürliche Mittel wie Nahrung, Pflanzen und Mineralien, auch der Mensch in seiner Element-Zusammensetzung und damit in seinem Zustand beeinflusst werden.

Ziel ist auch hier das Gleichgewicht der Elemente und somit Energien im Körper wieder her zu stellen.

Tibetische Rezepturen sind Vielstoffgemische aus Pflanzen, Mineralien, Edelsteinen, Tierischen Bestandteilen und Hölzern. Durch das Vielstoffgemisch kann die Wirkungsweise der Arznei optimiert und ausbalanciert werden. Dadurch sind Tibetische Arzneien in der Regel sehr gut verträglich und sanft in ihrer Wirkung. Eine Besonderheit tibetischer Pflanzenmischungen liegt darin, dass aufgrund exakter Kenntnis der jeweiligen Eigenschaften einer Pflanze die Dosierung der einzelnen Bestandteile sehr niedrig gehalten wird. Mögliche Nebenwirkungen werden schon im Vorfeld durch überlegte Zusammenstellung vermieden.

4. Äussere Therapien

 

Eine weitere Anwendung tibetischer Heilkunst stellen die äusseren Therapiemassnahmen dar. Diese werden angewendet wenn die internen Therapien nicht ausreichend sind. Zu ihnen gehören zum Beispiel Ku Nye (Massage), Horme, Moxibustion, Tsampaanwendungen, HeilbäderStock-massage, Schröpfen und bluten lassen. Aber auch Körperübungen wie Lu Jong oder Tsa Lung.

Lu Jong - Tibetisches Heilyoga

Lu Jong ist eine alte tibetische Bewegungslehre der Tantrayana- und Böntradition. Durch die Kombination von Position, Bewegung und Atmung hilft Lu Jong die Körperkanäle zu öffnen, Blockaden zu lösen und fehlgeleitete Energien zu mobilisieren.

Tsa Lung

Ein Weg zur Harmonisierung von Körper, Geist und der fünf Elemente sind die Übungen des Tsa Lung. Die Hauptpraxis besteht aus Atemübungen welche mit der Meditation verbunden sind.

Selbstverantwortung

Ein wichtiger geistiger Faktor für den Heilungsprozess ist die Erzeugung einer starken Motivation, gesund werden zu wollen und auch bestmöglich dazu beizutragen. Bei einem ganzheitlichen medizinischen Ansatz reicht es nicht aus, lediglich die verschriebenen Medikamente einzunehmen und dem Arzt die Verantwortung für den Heilungsprozess zu übertragen.

Eine Krankheit darf nicht als rein körperliches Phänomen aufgefasst werden. Der Geist ist solange wir leben untrennbar mit dem Körper verbunden. Er ist massgeblich an allen körperlichen Handlungen beteiligt und immer auch ein ursächlicher Faktor bei einer Erkrankung. Deshalb ist auch die Schulung des Geistes und der Achtsamkeit auf den Körper ein fester Bestandteil der Behandlung.

Einfache Meditationsübungen bringen zum Beispiel den Geist wieder in Kontakt mit dem Körper.

Der tibetische Buddhismus bietet darüber hinaus verschiedene Meditationsübungen an, um den grundlegenden Störungen Gier, Hass und Ignoranz zu begegnen.

© 2017 Janka Schweizer