Die Tibetische Medizin entstand aus der uralten Erfahrung und Geschicklichkeit des tibetischen Volkes, das seit jeher in enger Verbindung zur Natur gelebt hat und zu seinem Überleben in grosser Höhe stets auf eigene Ressourcen angewiesen war.

Da Tibet recht isoliert war, und eine ausgeprägte vorbuddhistische, schamanistische Tradition bewahrt hatte, war es möglich, dass viel geheimes Wissen erhalten und weiterentwickelt werden konnte. Im Lauf der letzten zweitausend Jahre hat auch die medizinische Weisheit anderer Länder Eingang in das einheimische System gefunden. So vereinigt die tibetische Medizin indisches, chinesisches, persisches und hellenistisches Wissen mit ihrer ureigenen Tradition.

Das besondere an der tibetischen Medizin ist die zwanglose Verknüpfung der spirituellen und rationalen Heilmethoden. Das ganze Heilsystem ist stark von der buddhistischen Philosophie geprägt und der Mensch wird als Ganzheit von Körper, Geist und Bewusstsein angesehen und behandelt.

Das über Jahrhunderte angesammelte und verfeinerte medizinische Wissen über Ernährung, Verhalten, Heilpflanzen und äusseren Behandlungsmethoden wurde schliesslich im Gyü-shi,

dem Grundlagenwerk der tibetischen Medizin, schriftlich festgehalten.

Basierend auf diesem Werk wurden im 17. Jahrhundert 79 Thangkas (Rollbilder) angefertigt,

auf welchen die Lehre veranschaulicht wird.

In der Stadt Dharamsala im indischen Exil wurde 1961 unter der Schirmherrschaft des 14. Dalai Lama die Medizinschule Men-Tsee-Khang gegründet. Dort konzentrieren sich Ausbildung, Forschung, Pharmakologie, Arzneimittelherstellung, Astrologie und natürlich auch die Behandlung nach den Prinzipien tibetischer Medizin. Unter Anleitung ihrer alten, noch in der Heimat ausgebildeten Lehrer, begannen die herangebildeten Ärzte, tibetisches Heilwissen auch in der westlichen Welt zu verbreiten.

Sangye Menla

Medizinbuddha-Mantra: Tadyata om bhaisajye bhaisajye mahabhaisajye raja samudgate svaha

GESCHICHTE

© 2017 Janka Schweizer